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Was ist ein Datenintermediär/Datenvermittlungsdienst?

Ein Datenintermediär (auch Datenvermittlungsdienst) ist eine neutrale Stelle, die den vertrauenswürdigen Austausch von Daten zwischen Dateninhabern und Datennutzern ermöglicht, ohne die Daten selbst wirtschaftlich zu verwerten oder inhaltlich zu nutzen.

Ziel eines Datenintermediärs ist es, Transparenz, Kontrolle und Rechtssicherheit beim Teilen von Daten zu schaffen – insbesondere in komplexen Mehrparteien-Szenarien und datenraumübergreifenden Anwendungen.


Zentrale Merkmale eines Datenintermediärs

  • Neutralität: Der Datenintermediär nutzt die vermittelten Daten nicht für eigene Zwecke und tritt nicht als Datenkäufer oder -verkäufer auf.
  • Zweckgebundene Datenvermittlung: Daten werden ausschließlich auf Basis klar definierter Zwecke und Bedingungen weitergegeben, die zwischen Dateninhaber und Datennutzer vereinbart sind.
  • Vertragliche Absicherung: Der Datenintermediär stellt standardisierte Datenvereinbarungen (Data Agreements) bereit, die u. a. Zweck, Verarbeitung, Speicherdauer, Verantwortlichkeiten und Pflichten regeln.
  • Transparenz und Nachvollziehbarkeit: Datenflüsse, Zugriffe und Vermittlungsvorgänge sind dokumentiert und für berechtigte Parteien nachvollziehbar.
  • Technische und organisatorische Sicherheit: Der Dienst setzt geeignete technische und organisatorische Maßnahmen ein, um Daten vor unbefugtem Zugriff, Missbrauch und Manipulation zu schützen.

Rechtlicher Rahmen

Datenintermediäre sind im EU Data Governance Act (DGA) geregelt. Der DGA schafft einen einheitlichen europäischen Rechtsrahmen für Datenvermittlungsdienste und definiert u. a.:

  • Anforderungen an Neutralität und Unabhängigkeit
  • Transparenzpflichten gegenüber Nutzern
  • Vorgaben zur Trennung von Vermittlungs- und sonstigen Geschäftstätigkeiten
  • Pflichten zur Einhaltung von Datenschutz- und Sicherheitsstandards

Abgrenzung zu anderen Akteuren

Ein Datenintermediär ist kein:
- Datenmarktplatz, der Daten selbst handelt
- Cloud- oder Speicheranbieter mit eigener Datennutzung
- Analytik- oder KI-Dienst, der Inhalte auswertet

Stattdessen fungiert er als vertrauenswürdige Vermittlungs- und Governance-Instanz, die den rechtssicheren Datenaustausch zwischen unabhängigen Parteien ermöglicht.


Nutzen für Dateninhaber und Datennutzer

  • Dateninhaber behalten Kontrolle über ihre Daten und deren Nutzung
  • Datennutzer erhalten rechtssicheren, transparenten Zugang zu Daten
  • Beide Seiten profitieren von standardisierten Prozessen, reduzierter Komplexität und erhöhter Vertrauenswürdigkeit